TEXT: PIA SCHUMACHER --- FOTOS: INGO WEITKAMP
Am 28. Mai 2009 machen sich einige Mitglieder und Freunde des Slow Food Convivien Tübingen – Neckar-Alb und Freiburg auf den Weg nach Süden.
Marta und Maurizio Gaidolfi führen uns in
Ihre Heimatstadt Piacenza in die Emilia Romagna zur „Cantine Aperte“ –
Tag der offenen Weingüter am Sonntag 31.5.
an der Kirche St. Martin in Zillis
war
am Abend schnell vergessen als die Gruppe in der Usteria
Carrozza
sich
über die Platten mit Antipasto misto di salumi con bortolina,
(Wurstplatten mit Salami, Schinken, Coppa,
Mortadella) begleitet von gefüllten frittierten Zucchiniblüten, frittierten
Salbeiblättern und eingelegter Paprika und Zwiebeln sowie Bortolina
eine Art Fladenbrot hermachten.
Dazu
ein kühler Ortrugo frizzante
(weiß) sowie Gutturnio frizzante
(rot).
Die
roten Weine werden typischerweise aus kleinen Porzellanschalen getrunken, die
die Temperatur des Weines im Sommer länger halten.
Danach ging es weiter mit Pappardelle con fiori di zucca e Tortelli verdi con ortiche (Pappardelle mit Zucchiniblüten und den speziell geformten „
Tortelli mit Schwänzchen“
mit Brennessel-Ricotta-Füllung).
Dazu gab es Gutturnio fermo. Weiter ging es mit Faraona arrosto con patate e insalate (Perlhuhn mit Rosmarinkartoffeln und Salat) sowie
zum Abschluß
Budino della casa – ein Schokoladenpudding der von Malvasia
dolce begleitet wurde.
-0-0-0-0-0-0-0-0-0-0-0-0-0-0-0-0-0-
Am Freitag ging’s nach dem Frühstück nach Pontenure zur Besichtung der Produktion und natürlich auch Verkostung der Produkte aus der
Kaffee-Rösterei
Musetti.
Frau
Musetti begrüßte die Gruppe sehr herzlich und übergab
uns in die Obhut von Elena Rebecchi, die uns
fachkundig in das Thema einwies. Bei der anschließenden Demonstration der Kunst
durch einen prämierten Barista wurde rasch der
Entschluss gefasst: „Klasse - hier möchten wir gerne einen Barista-Kurs
machen!“ Die ersten Kontakte in diese Richtung wurden geknüpft.
Nach einer ausgiebigen Mittagspause fuhren wir mit dem Bus durch das wunderschöne Trebbia-Tal nach Bobbio zur Besichtung der eindrucksvollen
Abtei und Diözese, die Umberto Eco teilweise als Vorbild des großen Klosters in seinem Roman „Im Name der Rose“ diente und der Teufelsbrücke –
Ponte Gobbo.
das Weingut, den landwirtschaftlichen Betrieb und die Weinberge rund
um das hochgelegene Weingut.
Passend zu Salumi misti (Salami, Coppa und Schinken), Risotto al rosmarino e malvasia (Risotto mit Rosmarin und Malvasia), Maccheroni alla bobbiese (Maccheroni nach Bobbieser Art), Coppa arrosto con patate e insalata mista (Schweinebraten mit Kartoffeln und Salat) sowie Ciambella con zabaione
e fragole (Kuchen mit Zabaione und Erdbeeren) probierten wir die von Fabio erklärten Weine Spumante brut, Ortugo, Gutturnio frizzante und fermo,
Barbera, La Barbona sowie den zum Dessert servierten „Kinderwein“ Malvasia Spumante dolce. Auch hier wurden einige Kisten in den Kofferraum
des Busses eingepackt.
Der Samstag stand ganz unter dem Motto „Piacenza“. Dies begann mit einer sehr interessanten und ausführlichen Führung durch den Palazzo Farnese,
die Stadt mit Markthalle und Besichtigung der San Sisto-Kirche
mit der sixtinischen Madonna, dem Piazza Cavalli
und
dem Dom die dann noch ganz individuell den weiteren Tag von den
Gruppenteilnehmer fortgesetzt und vertieft wurden…
…bevor
wir uns am Abend zum Essen in der Antica Osteria del
Teatro trafen.
Starkoch Filippo Chiappini Dattilo erwartete uns mit ausgesuchten Leckereien zum Spumante, Antipasto misto con sottaceti della casa, Tortelli del
Farnese al burro e salvia (Tortelli „mit Schwänzchen“ mit Salbei), Trancio die Storione (Tranchen vom Stör auf Zucchinischaum mit Zucchiniblüte),
Petto d’ anatra (Entenbrust mit Kirschen), Dessert della casa, Caffè con piccola pasticceria sowie den passenden Weinen. Gekrönt wurde der Abend
noch durch die Besichtigung der Weine des imposanten Weinkellers mit Flaschen teurer und edler Weine und Spirituosen in beeindruckender Anzahl
(wir schätzten so 2.-3.000). Allein die sehr
umfangreiche Sammlung an Whiskeys ließen die Herzen einiger Teilnehmer höher
schlagen.
Der
Sonntag – Cantine Aperte. Wir starteten im Weingut La
Stoppa – einsam und wunderschön über den Trebbiola-Tal gelegen.
Elena
Pantaleoni hatte ihr Weingut extra für uns geöffnet
und führte die Gruppe charmant durch Weinberge, Weingut, Weinkeller zur
Verkostung in die malerischen Arkaden. Gutturnio
still und frizzante. Argeno,
der Weißwein aus roten Trauben, benannt nach dem früheren Besitzer des
Weingutes, Malvasia Passito,
süßwein aus getrockneten Trauben gepaart mit vielen
Infos über die Arbeit in den Weinbergen und dem Keller. Gerne hätten wir alle
noch ein paar Tage in dieser traumhaft schönen Umgebung verbracht. Nach kurzer
Weiterfahrt erreichen wir die Villa Peyrano.
Wir
schlenderten durch den schönen Garten, besichtigten die ausgestellten Pflanzen
und die Ankunft etlicher Ferrari-Fahrer, die sich alljährlich an diesem Termin
dort treffen. Dazwischen wurde Wein, Schinken, Salami und Käse probiert. Auch
hier wanderten wie bei La Stoppa einige Kisten in den
Kofferraum.
Jetzt
ging es weiter zu Tenuta La Torretta
nach Nibbiano.
Im
Innenhof des wunderschön auf einen Hügel gelegenen Weingutes luden uns nicht
nur die Weine (Gutturnio classico und frizzante, Barbera, Bonarda
dolce, Pinot Nero, Cabernet
Sauvignon, Pinot Grigio, Ortrugo, Malvasia,
Sauvignon) zum Verkosten ein. Es gab Platten mit Schinken, Käse, Pizza, Focaccia, Peperonata, Oliven,
Olivenöl, Honig. Wir kamen aus dem Probieren nicht heraus.
Auf
dem Rückweg kämpfte sich der Bus noch schmalere Gassen hoch ins Weingut Tenuta Pernice. Die Erzeuger der
Umgebung ließen uns Ihre Pecorinos, Milbenkäse und
weitere Käsespezialitäten sowie Schinken, Coppa,
Honig, Brot und vieles mehr probieren. Dazu servierte das Weingut unablässig
neue Köstlichkeiten (Brote belegt mit Coppa, Käse,
Tomaten, Käsespieße, Hühnersalat, Olivenpaste …) aus der Küche die uns verführten
noch mehr von den Weinen zu probieren. Auch hier wanderten Kisten und Tüten in
den Kofferraum. Am Abend beschlossen wir den genussvollen Tag mit weiteren
Spezialitäten wie Pisarei e fasö
(kleine Knödel/Nudeln aus Weizenmehl und geriebenen Brot mit Bohnen) sowie Panzerotti (gefüllte Pfannkuchen). Semifreddo
und Torta di mele runden das heutige Mal ab.
Am
nächsten Morgen machten wir uns mit vollen Koffern und Kofferraum auf den Weg
zur Markthalle in einem Stadtteil von Piacenza um
noch die allerletzten Einkäufe wie Fave (frische
Saubohnen), Focaccia mit Zwiebeln, Käse, verschiedene
Schinkensorten, Käse, Butter, Brot, Biscottis und und und mit auf den Rückweg zu
nehmen.